ŻEMOWICZ

Das Licht an meinem Fahrrad ist aus. Ja, okay, ich hab’s zuhause vergessen. Nichtsdestotrotz fahre ich durch die dunklen Straßen. Straßen, die in meinem Traum eigentlich mein Heimatdorf sein sollen, doch zu einer unbekannten Stadt werden. Dunkle Gassen, dunkle Erinnerung.

Plötzlich erscheint diese schmale Eingangstür vor mir, durch die ich nur schemenhafte Gestalten erkenne. So spät beziehungsweise früh noch was los? Meine Neugierde schickt mich hinein.

Noch vor ein paar Minuten ward ich im Dunkeln, jetzt ist Licht.

Es ist eine Art Bar, die aussieht wie eine heftige Hausparty am nächsten Morgen. Überall liegen junge Menschen – wenn nicht schon ganz am Boden – mit ihren Köpfen auf den Tischen, die Luft ist schwer von den Ausdünstungen der Feierwütigen.

Ist da nicht meine Mitbewohnerin? Hier treibt sie sich also immer rum. Ist aber auch sehr alternativ hier.

In Leuchtbuchstaben steht über dem großen Tisch in der Mitte „ŻEMOWICZ“ geschrieben. Aha. Ein polnisches Wort, was auch immer es bedeuten mag.

Langsam erwachen die ersten Partyzombies, ein DJ legt seine Platten auf und jemand sagt: „Wow, so krass ey, um elf Uhr früh schon so heftig geile Mukke, Alter.” Er fängt an, sich zu den elektronischen – sogar meiner Meinung nach guten – Klängen zu bewegen.

Den Rest der Party bekomme ich nicht mit. Ich verlasse den Raum und plötzlich ist das andere Zimmer, in das ich vorhin getreten war und das nach altem Wirtshaus-Stammtisch-Wohnzimmer ausgesehen hatte, pink und rosa und voller Kleinkinder und Babys.

Ich gehe einen Raum weiter (wie groß ist dieses rätselhafte ŻEMOWICZ eigentlich?) und sehe von weitem, wie durch einen Tunnel, meinen Freund. Puh, jetzt bin ich erleichtert. Wahrscheinlich hatten wir ausgemacht, dass jeder von sich aus die Stadt (das Dorf?) erkundet, und zufällig treffen wir uns hier wieder.

Durch’s Dunkle bin ich gewandert, durch alternative Zombiepartyhöhlen und über Mutter-Kind-Spielplätze.

Genug der Abenteuer, sage ich, und wache auf.

(Halle, 27.04.2016, zuerst auf Tumblr [lenkasletztertraum] veröffentlicht)

Das muss dieses Leben sein

Überwältigend:
Kopf bis Fuß vibriert,
eins mit dem Bass,
wir lösen uns auf,
spüren uns - endlich.

Schwitzende Körper
aneinanderreibend,
glücklich strahlend,
tauschen wir schüchtern
Blicke,
unser Herz voll und
in diesem Augenblick
unbeschwert.

Das muss dieses Leben sein.

Vielleicht waren
die Momente des Rauschs
nicht nur da,
um alles um uns herum
zu vergessen, nein -
um uns selbst zu vergessen.

Die Vögel singen uns gute, beste Nacht
und sich einen schönen Morgen zu.

(Halle, 08.05.22)